Woher die Ahnen kommen

By Fabian Schwarz

Heute möchte ich über eine Einrichtung und ihren Entstehungshintergrund berichten, die ich während meines Schüleraustausches in den Vereinigten Staaten von Amerika 1991/92 kennen gelernt habe. Ich lebte damals bei einer Familie in der Nähe von Salt Lake City, der Stadt, die 2002 Austragungsort der olympischen Winterspiele war.

Salt Lake City liegt im Bundesstaat Utah, einer Region in den USA, die hauptsächlich von Mormonen, oder korrekter: von Angehörigen der Kirche Jesus Christi der Heiligen der letzten Tage, bewohnt wird. 'Aha!', wird die geneigte Leserin oder der geneigte Leser jetzt vielleicht denken, 'kein Alkohol, aber Vielweiberei.' Nun, dass mit dem Alkohol stimmt. Mormonen trinken tatsächlich keinen. Und sie rauchen auch nicht. Ja, nicht einmal Kaffee und Schwarztee nehmen sie zu sich. Aber das mit der Vielweiberei ist so schon lange nicht mehr richtig. Diese wurde den Mormonen durch ihren kirchlichen Führer schon Ende des 19. Jahrhunderts verboten.

Ein wichtiger Glaubenssatz der Mormonen besagt, dass sich jeder je auf Erden gelebter Mensch frei entscheiden können muss, ob er sich in ihrem Sinne bekehren lassen will oder nicht. Nun sind die Heiligen der letzten Tage jedoch eine vergleichsweise junge Religionsgemeinschaft. Die Kirche formierte sich erst um 1830. Bis dahin hatten schon viele Menschen gelebt, ohne je die Chance gehabt zu haben, Mormone zu werden.

Aber dies ist für die Mormonen ein lösbares Problem. Die Mormonen glauben, dass sich Verstorbene auch nach ihrem Tod noch zu Heiligen der letzten Tage bekehren lassen können. Sie gehen davon aus, dass die Verstorbenen in einer Art Geisterwelt auf das jüngste Gericht warten. Und in dieser Geisterwelt seien inzwischen auch ihre Missionare aktiv, also verstorbene Mormonen.

Einen Haken hat die Sache dann aber doch. Ein Verstorbener, der zum Glauben der Mormonen übertritt, muss auf der Erde durch einen jetzt lebenden Gläubigen, der den Namen des Verstorbenen kennt, stellvertretend getauft werden.

Nun sind die Heiligen der Letzten Tage natürlich sehr daran interessiert, möglichst allen je gelebten Menschen die Möglichkeit zum Übertritt zu ihrem Glauben zu geben. Jede Familie sucht deshalb akribisch nach Vorfahren, die dann prophylaktisch durch ein heute lebendes Familienmitglied stellvertretend getauft wird, stets in der Hoffnung, der Ahne sei inzwischen in der Geisterwelt zur Aufnahme in die Kirche bereit.

Um all die Vorfahren zu finden, die da in der Geisterwelt, so wie sie sich die Mormonen vorstellen, existieren, müssen aktive Mitglieder der Kirche Jesus Christi genaue Ahnenforschung betreiben. Zu diesem Zwecke haben sie in Salt Lake City ein Ahnenforschungszentrum etabliert, das einmalig ist auf unserer Erde.

Ich habe das Zentrum während meines Schüleraustausches kennen gelernt und dort viele Stunden für meine Gastfamilie und für deren Freunde mit deutscher Abstammung verbracht, um anhand von Mikrofiche-Kopien alter ostptreußischer oder pommerscher Kirchenbücher nach Ahnen zu suchen.

Das Ahnenforschungszentrum steht aber nicht nur gläubigen Mormonen offen, sondern selbstverständlich allen an Ahnenforschung interessierten Menschen. Besuchen Sie es einmal – entweder ganz real in Salt Lake City in Utah oder auf der Homepage des Zentrums. Viel Erfolg bei Ihren Recherchen!

Eine Antwort zu „Woher die Ahnen kommen“

  1. Fabian sagt:

    Hallo! Muss einfach mal probieren, ob Kommentare überhaupt möglich sind.

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