Die öffentlichen Verkehrsbetriebe von Berlin heißen BVG (Berliner Verkehrsgesellschaft) und S-Bahn GmbH. Die BVG betreibt U-Bahn, Bus und Tram. Die S-Bahn GmbH die S-Bahn.
Ich nutze die öffentlichen Verkehrsmittel selten, weil ich als Rollstuhlfahrer meist schneller und unkomplizierter mit meinem Auto durch die Stadt komme. Meinen Elektrorollstuhl habe ich dann immer in meinem "Ford Transit" Kleinbus dabei, mit einem elektrischen Lift verladen und durch eine feste Arretierung gut gesichert.
Aber es gibt Situationen, in denen ich mein Auto stehen lasse und lieber mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahre. Meist mit der U-Bahn. Und leider gibt es dabei immer noch zu oft gravierende Probleme. So auch heute am Abend.
Weil ich mit einer Freundin im Prenzlauer Berg auf ein Bier ausgehen wollte, hatte ich mich entschlossen, mit der U-Bahn dorthin zu fahren. Ich war mir des Risikos durchaus bewusst, sind doch Abfahrts- und Ziel-Bahnhof mit Aufzügen ausgestattet, jedoch nicht die nächsten Bahnhöfe davor und danach. Soll heißen: wenn der Aufzug am Abfahrts- oder Ziel-Bahnhof kaputt sein sollte, müsste ich große Umwege in Kauf nehmen.
Nun, auf dem Hinweg zum Prenzlauer Berg lief alles glatt. Alle Aufzüge funktionierten. Aber am späteren Abend kam es, wie es kommen musste. Der Aufzug am Ziel-Bahnhof ganz in der Nähe meiner Wohung war inzwischen außer Betrieb gegangen. Und, wie gesagt, die benachbarten Bahnhöfe sind nicht mit Aufzügen ausgestattet. Deshalb musste ich noch ganze drei Stationen weiterfahren, um den nächsten und – Gott sei Dank – funktionierenden Aufzug zu erreichen.
So hatte ich einen langen Weg mit dem Elektrorollstuhl an der frischen Luft, bis ich bei mir zu Hause eintraf. Das tat weh. Aber der Weg bot auch Gelegenheit, über die Barrierefreiheit der BVG im Bereich ihrer U-Bahnen zu sinnieren.
1. Gedanke: Die meisten U-Bahnzüge sind älterer Bauart. Sie haben eine ziemlich hohe Stufe, um in sie hinein zu gelangen. Deshalb muss ich mich als Rollstuhlfahrer vorne an der Spitze des Zuges beim Fahrer bemerkbar machen, damit dieser eine Rampe an den Wagon anlegt, so dass ich schwellenlos in den Zug rollen kann. Nun sind die Zugfahrer jedoch nie darüber informiert, ob am Zielbahnhof, an dem man als Rollstuhlfahrer aussteigen will, auch die Aufzüge funktionieren. Ich wurde schon öfters, nicht nur heute, an dem von mir gewählten Bahnhof vom Fahrer per Rampe aus seinem U-Bahnzug entlassen, obwohl der Aufzug dort gar nicht in Betrieb war. Nervige Konsequenz aus dieser Wissenslücke: bis ich zum Fahrstuhl gerollt bin und festgestellt habe, dass dieser nicht funktioniert, ist mein Zug weg, und ich muss längere Zeit warten, bis eine neue U-Bahn eintrifft, die mich zum nächsten Bahnhof mit Fahrstuhl bringen kann.
2. Gedanke: Wenn nun jede Station mit einem Fahrstuhl ausgestattet wäre, wöge es womöglich nicht so schwer, wenn einmal auf einem Bahnhoft der Aufzug kaputt wäre. Man führe einfach zum nächsten Bahnhof. Zurzeit ist es aber noch so, dass nur wenige U-Bahnhöfe mit Aufzügen ausgestattet sind. Ist also der Fahrstuhl auf einem Bahnhof kaputt, bedeutet dies in der Regel, einen Umweg von mehreren Stationen in Kauf nehmen zu müssen, um wieder ans Tages- bzw. Nachtlicht zu gelangen. So war es mir ja auch heute Abend passiert.
3.Gedanke: Ja, und dann sind da noch die Info-Säulen auf jedem Bahnhof. An diesen sollte man sich als Rollstuhlfahrer eigentlich per Knopfdruck hilfreiche Informationen holen können. Aber meistens ist es genau umgekehrt und man versorgt stattdessen die Damen von der Info-Zentrale mit wichtigen Streckeninformationen. Heute, aber auch an anderen Tagen, war es so. Der Stimme in der Info-Säule war es ganz neu, dass der Fahrstuhl am Bahnhof, auf dem ich stand, außer Betrieb ist. Und einmal habe ich es sogar erlebt, dass mir meine Gesprächspartnerin an der Info-Säule nach mehreren Minuten Recherche versicherte, dass der Fahrstuhl auf einem benachbarten Bahnhof auf jeden Fall funktioniert, ich aber feststellen musste, dass der Aufzug auf der betreffenden Station gar nicht existierte, weil er einer umfangreicheren Baustelle gewichen war.
Das Fazit auf meiner verlängerten Heimfahrt heute Abend lautete deswegen: Die BVG muss ihre Fahrer und ihre Info-Leute endlich mit dem Pannenreport vernetzen, damit man als Rollstuhlfahrer nicht hoffnungsvoll auf einem Bahnhof aussteigt, an dem gar nichts geht. Und es braucht wesentlich mehr Aufzüge auf den U-Bahnhöfen dieser Stadt. Dann fiele der Ausfall eines Fahrstuhls auch nicht so ins Gewicht.
Aber solange es noch so viele Stationen ohne Fahrstuhl und in Punkto Fahrstuhldefekte uninformierte Fahrer und unwissendes Service-Personal gibt, tut die BVG sicher noch manches Mal so weh, wie sie es heute Abend wieder getan hat.