Mein Büro befindet sich im ersten Stock. Das heisst, ich als Rollstuhlfahrer bin darauf angewiesen, dass der Fahrstuhl des Hauses funktioniert, will ich an meinen Arbeitsplatz gelangen.
Drei Jahre lang ging auch alles gut. Aber eines Morgens traf ich den einzigen Kollegen, der ebenfalls den Rollstuhl nutzt, unten im Foyer. Er sah so aus, als warte er auf etwas. Und ehe ich Fragen stellen konnte, begrüßte er mich auch mit der Nachricht, dass der Fahrstuhl kaputt ist. Aber ein Monteur sei schon dabei, die Liftanlage zu reparieren.
Da er in den dritten Stock musste, blieb uns beiden nichts anderes übrig, als zu warten. Wir hätten auch in die nächste Bäckerei rollen können, um in Ruhe der Entwicklung der Dinge auszuharren bei einem frisch zubereiteten Espresso. Aber wir waren natürlich zwei pflichtbewusste Arbeitnehmer und so warteten wir brav vor dem Aufzug.
Und tatsächlich, wenige Minuten später tauchte der Fahrstuhlmonteur vor uns auf und versicherte, dass der Lift in wenigen Augenblicken wieder funktionieren würde. Er müsse nur eben noch kurz im Betriebsraum der Aufzuganlag etwas einstellen.
Kaum war in dem Aufzugshäuschen verschwunden, um seine Einstellungen vorzunehmen, vernahmen wir beide ein lautes Quietschen und gleich darauf ein deutliches Knallen. Wir schauten uns irritiert an, da kam der Monteur auch schon wieder aus dem Betriebsraum hervor und verkündete uns, dass nun alles wieder in Ordnung sei.
Nun schauten wir ihn irritiert an. Und wir berichteten ihm, was wir gerade gehört hatten. Ungläubig öffnete er die Aufzugstür und schaute in den Schacht nach oben. Ihm entfuhr ein eindeutiges Schimpfwort und er sagte zu uns, dass der Aufzug wohl gerade versucht hatte, den freien Fall zu üben. Aber der Fahrstuhl sei dabei in die Sicherheitsaufhängung gesaust, die sich immer dann einschalte, wenn ein Lift abstürze.
Die Fragezeichen in unseren Gesichtert hätten nicht größer sein können. Er aber sprach, dass er das gleich habe. Und verschwand wieder im Betriebsraum des Aufzuges. Nur Bruchteile später tauchte er wieder auf und versicherte uns, dass nun aber wieder alles in Ordnung sei. Und tatsächlich, die Tür des Aufzuges ging auf, und der Lift stand vor uns, als wäre nichts geschehen.
Weder der Kollege noch ich hatten an diesem Morgen eingeplant, Versuchskaninchen zu spielen. Und so überlegten wir lange, wer von uns beiden zuerst den hoffentlich wirklich reparierten Lift berollen sollte.
Schließlich gab ich nach. In meinem jugendlichen Leichtsinn dachte ich: no risk, no fun! Und es funktionierte tatsächlich. Der Fahrstuhl spuckte mich wie gewünscht in der ersten Etage wieder aus. Mit einem leicht mulmigen Gefühl rollte ich zu meinem Büro.
Im Nachhinein wünschte ich mir, dass solche Mutproben die Ausnahme bleiben an meinem Arbeitsplatz. Und bis jetzt ist dieser Wunsch auch in Erfüllung gegangen. Aber: you never know, you know! Die Sache mit dem Fahrstuhl bleibt eben immer so eine Sache.