Von wegen Vereinsamung am PC

By Fabian Schwarz

Am Samstag waren meine Freundin und ich mal wieder auf einer netten Party. Auf einer Party, die der „Ohrfunk“ veranstaltet hat. Nun ja, auf Parties sind wir schon öfters gewesen. Aber nicht oft auf einer, die durch und erst mit dem Internet möglich wurde. Es war nämliche eine virtuelle Party Wir unterhielten uns im „Irrenhaus“, einem der wenigen nicht kommerziellen Anbieter von Telefon-Chat-Konferenzen, mit anderen Partygängern über das laufende Musik-Programm des Internet-Radiosenders „Ohrfunk.de“, über unsere Ergänzungswünsche und das Leben ganz allgemein. Der Rechner ist doch schon ein gutes Stück Dreh- und Angelpunkt unserer Kommunikation geworden!

Heute denke ich zurück an die Zeit vor nunmehr 20 Jahren, als ich meine ersten Gehversuche (als Rollstuhlfahrer!) in Sachen Computer unternommen hatte. Damals sah die Sache ganz anders aus: Das Internet war noch nicht erfunden. Die Einrichtung von Internet-Radiostationen wie dem „Ohrfunk.de“ hätte ich mir wahrscheinlich gar nicht vorstellen können, ebenso wenig Telefonkonferenzen wie die im „Irrenhaus“. Und das Heimcomputern war eine einsame Angelegenheit!

Mein erster Computer war ein „ZX Spektrum“, und um diese neue Wunderkiste zu verstehen, saß ich stundenlang davor – allein. Meine Mutter fürchtete gar, dass mich eines Tages das gleiche Schicksal ereilen würde, das die aufgeklärte Allgemeinheit Mitte der 80er Jahre für sämtliche Heimcomputer-Nutzer vorhersagte: dass sie nämlich über kurz oder lang vereinsamen würden vor ihren Rechnern. Dass Computer eines Tages auch helfen würden, Kontakte aufrecht zu erhalten oder neu zu knüpfen – daran war zu dieser Zeit gar nicht zu denken.

Nun, es ist bekanntermaßen anders gekommen als gedacht! Und wie wir Berliner sagen würden: „Das ist auch gut so!“ Es muss ja nicht gleich eine virtuelle Party sein – die meisten von uns kommunizieren heute auch im ganz gewöhnlichen Alltag bereits ein gutes Stück weit über den Computer. Vor allem, wenn wir Emails schreiben, aber auch, wenn wir z.B. online bestellen. Und der Rechner als Kommunikationszentrum wird in den nächsten Jahren noch zunehmen, so die landläufige Meinung. Also von wegen: Vereinsamung am PC.

2 Antworten zu „Von wegen Vereinsamung am PC“

  1. Jens Bertrams sagt:

    Es gibt auch heute noch viele Menschen, die sagen, dass Computer einsam machen. Und es mag auch in mancher Hinsicht stimmen. Ich glaube aber, dass es nicht stimmt. Ich habe viel Bereicherung durch den Computer erlebt.

    Es passiert mir oft, dass Freunde sagen: Du sitzt ja den ganzen Tag vorm Computer, du machst ja nichts anderes mehr als Computer. Dann sage ich: Stimmt nicht. Der kleinste Teil ist Computer. Ich lese, höre Radio, lese Zeitung, schreibe Briefe, unterhalte mich mit Anderen. Der Computer ist nur mein Hilfsmittel, nur Mitel zum Zweck. Ich kenne immer noch viele, die das nicht verstehen.

  2. Das Nest sagt:

    Jau! Das ist schon ne klasse Sache. Bei mir fing es mit den E-mail-Möglichkeiten an, wo ich plötzlich in sog. Newsgroups mit allen möglichen nur vorstellbaren Menschen in Deutschland über Themen schreiben konnte, die mich interessierten: spiritualität, Literatur, Sex… vor allem letzteres ist ja nicht so das thema, um das sich in Behinderteneinrichtungen, in meinem Fall einer Blindenschule, gerissen wird… Allerdings mußte ich da auch sehr bald das mich-abschirmen lernen. Das war sehr neu für mich, daß man sich auch zu sehr auf wildfremde Leute einlassen kann. Und ich habe – trotzdem ich das, was Du schreibst, nachvollziehen kann – auch einen Haufen wirklich einsamer Leute im INternet getroffen, die sich eine ganz andere Persönlichkeit gaben, nichts von sich wirklich erzählten und darum auch nicht wirklich kommunizierten. Aber für mich war das schon klasse mit dem INternet und den E-mails! Mein bisheriger Höhepunkt war eine Veranstaltung unter Freunden hier in marburg, an der dann auch noch übr viele Stunden hinweg eine Freundin in Brasilien per Skype teilnehmen konnte und bei der sie fast klang, als sei sie mit im Zimmer. So was ist echt unvergeßlich! naja und dann eben das Bloggen! Was bin ich froh, daß es das gibt!

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