Vor einigen Wochen wurde der Supermarkt auf der anderen Straßenseite vor meiner Wohnung umgebaut und erweitert. Die Wiedereröffnung sollte einige Überraschungen bereit halten, so die Ankündigung im Werbeprospekt, das ich eines Tages aus meinem Briefkasten fischte.
Neugierig machte ich mich also auf den Weg, den neu gestalteten Supermarkt in Augenschein zu nehmen. Und ich geriet tatsächlich ins Staunen bei meinem Besuch. Der Verkaufsraum wirkte geräumiger, die Regale vielfältiger und besser sortiert. Und das allerbeste für mich: zwischen den Regalen war deutlich mehr Platz. Begeistert drehte ich eine Pirouette mit meinem Rollstuhl.
Ich griff zwei, drei Produkte, die ich eigentlich gar nicht brauchte, nur um nicht mit völlig leeren Händen an die Kasse zu rollen. Und da sah ich, dass jeder Kunde, nachdem er bei der Kassiererin bezahlt hatte, am Ende des Bandes von einem jungen Menschen in T-Shirt mit dem Logo der Supermarkt-Kette empfangen wurde, der die Einkäufe bereits routiniert in Tüten gepackt hatte und sie dem überraschten Kunden mit einem Lächeln in die Hand drückte.
Dann war ich an der Kasse. Ich bezahlte, und auch meine drei Artikel verschwanden behände in einer Tüte. Der Mensch am Ende des Bandes reichte mir die Tüte, lächelte, sagte dazu aber in energischem und mahnendem Tonfall: „Heute is die Tüte umsonst. Aber nich, dass sie sich an den Service hier jewöhnen. Det Einpacken machen wa hier nur heute zur Wiedereröffnung!“ Ach, ich liebe ihn, diesen diskreten Berliner Charme.
Januar 3, 2007 um 9:32 |
Sehr schöne Geschichte!
Und wo ich schon mal dabei bin: Ich finde dein Blog sehr lesenswert; keine Aneinanderreihung uninteressanter Dinge wie „mein Hund hat Durchfall“, sondern gut beobachtete, toll geschriebene Alltagserlebnisse.
Einen schönen Tag noch!