Seit letztem Herbst nutze ich ein iBook von Apple für die tägliche Arbeit. Nach kurzer Zeit habe ich dann entdeckt, dass das neue Betriebssystem für den Mac, das Mac OS X Tiger, einen Screenreader enthält. Und zwar richtig tief eingelassen ins System. Ich staunte nicht schlecht. Der Screenreader ist Teil des Voiceover-Programms, eine Benutzeroberfläche für Menschen mit Sehbehinderungen und für blinde Menschen. Mit VoiceOver ist der Mac ganz über die Tastatur steuerbar und je nach Wunsch wird das, was auf dem Bildschirm geschieht, stark vergrößert dargestellt oder akkustisch beschrieben.
Nun, der Linux-Desktop von SuSE kommt seit Version 7.0 mit dem Screenreader Blinux daher. Dieser beherrscht Sprachausgabe und unterstützt die gängigsten Braille-Zeilen. Aber PCs mit Linux sind immer noch Exoten und für den Laien oft nicht so einfach zu bedienen.
Für den Quasi-Standard der PC-Welt, also für Rechner mit Windows, gibt es bisher standardmäßig nur eine Vergrößerungshilfe für sehbehinderte Menschen. Blinde dagegen müssen für ihren Windows-PC teure Software anschaffen, um Braille-Zeilen zu betreiben und Sprachausgabe zu ermöglichen.
Da ist es schon bemerkenswert, dass nun der zweite etablierte Anbieter eines kommerziellen Betriebssystems nicht nur auf die Belange sehbehinderter Menschen eingeht, sondern auch blinde Menschen mit den Annehmlichkeiten seines Systems vertraut machen will. So scheint es jedenfalls.
Denn nach einem ersten Ausprobieren von VoiceOver stellte ich fest, dass dieser Screenreader nur einige wenige von Apple entwickelte Programme beherrscht. Dazu gehören das mitgelieferte Mail-Programm und der Internetbrowser des Macs. In den meisten Anwendungen bleibt VoiceOver stumm. So kann ein blinder Mensch noch nicht einmal das komfortable iTunes, die von Apple selbst stammende eierlegende Wollmilchsau unter den Musikabspiel-Programmen, bedienen. Ganz zu schweigen von Office-Anwendungen wie dem freien NeoOffice.
So ist der Sreenreader von Apple natürlich nur ein schwaches Stimmchen für den Mac. Hinzu kommt, dass VoiceOver nur englisch spricht. Dies finde ich einfach nur unverständlich, wird das Betriebssystem an sich doch in allen möglichen Sprachen ausgeliefert. Und damit wollte ich mich auch nicht zufrieden geben.
Nach einigen Recherchen im Internet, stieß ich auf die Firma Cepstral. Sie bietet zu vergleichsweise günstigen Preisen Stimmen in vielen Sprachen für den Screenreader von Apple an. Jeweils eine weibliche und eine männliche. Bevor man die Stimmen kauft, kann man sie schon einmal probeweise runterladen und testen.
Meine blinde Freundin entschied sich für Matthias, den männlichen Vertreter der deutschen Cepstral-Stimmen. Nachdem ich mit einem Mitarbeiter von Cepstral via Mail geklärt hatte, dass ich auch überweisen kann, und nicht wie auf der Homepage angegeben, eine Kreditkarte zücken muss, spricht mein Mac meiner Freundin und mir nun gelegentlich Webseiten und Emails auf Deutsch mit hartnäckigem schwedischen Einschlag vor. Immerhin!