Gomez köpfte doch eigentlich fünf Sekunden früher

Juni 10, 2012

Als Mario Gomez gestern Abend sein erlösendes Tor gegen Portugal in der 72. Minute des Auftaktspiels der DFB-Elf zur Euro 2012 köpfte, brüllten meine Frau und ich unser erlösendes „Tor“ mindestens fünf Sekunden, bevor sich der Ball auf dem großen Bildschirm unseres Lieblings-Cafés in der Gneisenaustraße ins portugiesische Netz senkte.

Weder sind meine Frau und ich hellseherisch veranlagt, noch hatten wir den portugiesischen Tortwart bestochen, exakt in der 72. Minute eine akute Schwäche zu zeigen.  Wir hatten schlicht einen Knopf im Ohr und uns in erster Linie auf die Hörfunk-Reportage zum Spiel von André Siems und Guido Ringel verlassen.  Und diese Reportage schilderte uns die Ereignisse einfach deutlich früher als im Fernsehen.

Das Phänomen ist keineswegs einer schludrigen Einspeisung des Fernsehsignals seitens des Cafés geschuldet. Solange ich denken kann, sind Fußball-Reportagen im Radio einfach schneller dran am Ball als die bewegten Bilder im Fernsehen. Daran hat offensichtlich auch das Zeitalter digitaler Verbreitungswege nichts geändert. Und dies führt für sehbehinderte und blinde Fußball-Fans manchmal zu einer ganz eigenen Aufmerksamkeit in ihrer unmittelbaren Umgebung…

Schauten uns die anderen Café-Besucher zunächst verständnislos an, als wir „Tooor“ brüllten, so fragten sie wenig später zögerlich nach, wieso wir das Tor von Gomez schon so früh in der Entstehungsphase hatten antezipieren können. Wir antworteten stolz „Radio“ und zeigten auf unsere Ohren mit den Kopfhörern darin. „Aha!“, war die erstaunte Antwort. Jetzt sind wir sehr gespannt, ob beim nächsten Gruppenspiel unserer Mannschaft vielleicht einige andere Besucher unseres Lieblings-Cafés in der Gneisenaustraße auch einen Knopf im Ohr haben werden. Denn dann gibt es nämlich wieder eine Vollreportage zum Spiel im Radio.

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Falschparker und Zuständigkeiten in Berlin

Oktober 16, 2010

Gestern morgen war – mal wieder – mein personenbezogener Behindertenparkplatz vor der Arbeit mit einem anderen Fahrzeug besetzt. Ich parkte deshalb notgedrungen im eingeschränkten Halteverbot und rief die Polizei an. Der Beamte am Telefon versichterte mir, dass entweder die Polizei  oder das Ordnungsamt käme, um das Problem in Augenschein zu nehmen.

Nach etwa dreißig Minuten erschien eine Polizeistreife. Ein Beamter trat zu meinem Auto und vermeldete, er habe zwei Probleme. Ein Problem wäre, dass ich bereits auf einem ausreichenden Ausweichparkplatz stünde. Ich wies ihn darauf hin, dass es sich um einen Platz innerhalb eines eingeschränkten Halteverbots handelt. Er erwiderte, dass ich dort unbeschadet stehen könne, weil ich ja einen Behindertenausweis habe. Ich entgegnete, dass ein solch eingeschränktes Halteverbot für mich als Verkehrsteilnehmer mit Handicap nur zwei, drei Stunden keine Geltung habe, nicht aber für einen ganzen Arbeitstag. (Tatsächlich gilt die Ausnahme mit einem speziellen Parkausweis für drei Stunden, aber so sattelfest war ich nicht in diesem Moment.)

Als nächstes verwies der Beamte darauf, dass für Probleme im Zusammenhang mit Parken die bezirkliche Straßenverkehrsbehörde, also das Ordnungsamt, zuständig sei. Diese Bemerkung kenne ich inzwischen schon von mindestens fünf anderen ähnlichen Anlässen. Und wie immer in dieser Situation fragte ich meinen Gesprächspartner, warum mir die Einsatzzentrale dann ihn geschickt habe, wenn er als Vertreter der Polizei gar nicht zuständig sei. Er erwiderte, er sei es leid, immer für das Ordnungsamt einspringen zu müssen, bloß weil die ihre Aufgaben nicht richtig ernst nehmen würden. (Auch diese Bemerkung kannte ich in ähnlicher Form schon von anderen Polizisten.) Aber als Polizeibeamter werde er im Zweifelsfall natürlich trotzdem die Straßenverkehrsordnung durchsetzen. Er klingelte darauf hin bei dem sündigen Autofahrer, der, wie sein Kollege herausgefunden hatte, aus der Nachbarschaft kam. Der Falschparker entfernte anschließend sein Auto von meinem Parkplatz.

Es ist noch nicht Weihnachten, auch wenn sich die Regale der Supermärkte mit entsprechenden Artikeln rasch füllen. Aber wenn ich als Verkehrsteilnehmer mit Handicap einen frühen Weihnachtswunsch frei habe, dann der: dass in der Berliner Verwaltung endlich allen Beteiligten klar ist, dass die Straßenverkehrsordnung immer auch für falsch parkende Autos gilt, egal ob sich nun das Ordnungsamt zuständig fühlt oder die Polizei einspringen muss.

Dann würde endlich dieses anhaltende Diskutieren über die Frage aufhören, wer sich nun um den Falschparker kümmert, wenn mein Parkplatz wieder einmal besetzt ist. Schließlich werde ich schon genug aufgehalten durch den Parksünder. Mir obendrein auch noch die internen Probleme der Verwaltung anhören zu müssen, kann nun wirklich nicht meine Aufgabe sein.

Der mächtige Sound der Vuvuzelas

Juli 4, 2010

Der Abendspaziergang begann völlig harmlos. OK, er war zu warm wie in ganz Berlin an diesem Abend. Aber was soll’s: zu Hause war es noch stickiger. Und draußen mochte zwar kein wirklich laues Lüftchen geweht haben, aber immerhin wehte ein Lüftchen. Das macht in den heutigen heißen Tagen schon einen wesentlichen Unterschied!

Wie auch immer, wir spazierten am Landwehrkanal entlang, als es passierte. Deutlich, sehr deutlich für unsere inzwischen geschulten Ohren, war sie vernehmbar: die Vuvuzela. Ein unverschämt lauter und heller Ton, wie wir ihn bei unserem heimlichen Vuvuzela-Training nur ganz manchmal hinbekommen haben. Wer trötete da mit einer ungekannten Professionalität von welchem Balkon? Irritiertes Umschauen beantwortete diese Frage prompt. An einem geöffneten Fenster hinter herunter gelassenen Vorhängen in der vierten Etage eines unauffälligen Hauses blitzte ein plastik-gelber Trichter hervor. Diesen Trichter kannten wir natürlich gut von unseren eigenen Vuvuzelas, die wir über eine bekannte Supermarkt-Kette erworben hatten.

Auf einmal – in der abendlichen Hitze von 32 Grad und einer Restsonnenbescheinung – war alles ganz klar: wir Freunde des Vuvuzelas-Sounds sollten uns nicht länger verstecken hinter herunter gelassenen Vorhängen. Vielmehr müssten wir uns organisieren für kommende und ohne Zweifel tolle Vuvuzela-Konzerte – selbstbewusst und sogar offen für abgestimmte Mehrstimmigkeit.

Und wenn es mit solcherlei grandiosen Auftritten vielleicht doch nicht klappen sollte, weil uns der Mut fehlen sollte, so wäre wenigstens eine eigene Selbsthilfegruppe sinnvoll, die diskret im Verborgenen arbeiten würde: die Gruppe der AVS – also der Anonymen Vuvuzela-Spieler. Denn die Vuvuzela-Lust lässt uns nicht los genau so wenig wie Jogis Team in diesen Tagen. In diesem Sinne: Gimme hope Joachim!

Der Führhund: Sozialpartner oder Raubtier?

März 31, 2010

Bei der diesjährigen Fortbildung des Vereins Lichtblicke e.V. vom 13. bis 16. Mai geht es um zwei Themen. Zum einen steht die Frage im Mittelpunkt: Der Führhund – Sozialpartner oder Raubtier? Zum anderen geht es um physiotherapeutische Ansätze zur Kräftigung und zur Entspannung des Hundes. Näheres erfahrt ihr bei der Organisatorin der Veranstaltung Jutta Rütter oder  unter: http://www.verein-lichtblicke.de/ Wir freuen uns über alle Interessentinnen und Interessenten.

Hammer und Zirkel im Ährenkranz – Macht der Gewohnheit

Juni 27, 2009

Neulich in aller Frühe. Auf dem Weg mit dem Auto zu einem Termin, bei dem ich viel reden würde müssen. Also, da lag richtig Arbeit vor mir, aber meine Stimme klebte irgendwie noch an meinem Kopfkissen zu Hause. Doch das süße Kissen war mit jedem gefahrenden Kilometer Lichtjahre weiter weg, ob ich es wollte oder nicht. Also mußten ein paar Sprachübungen her. Das sah blöd aus, besonders an roten Ampeln. Allein, meine Stimme schien immer noch fest zu schlafen.

Da beschloss ich, Lieder mit Niveau zu singen. Zunächst fiel mir „Hoch auf dem gelben Wagen“ ein und die Tatsache, dass dies mal launig ein Präsident der alten Bundesrepublik mit Vornamen Walter zum besten gegeben hatte. Wie hieß er noch gleich? Scheel? Egal, die Tatsache, dass ich weder hoch auf einem Wagen saß, noch dass dieser gelb war, sondern blau, ließ meine Stimmbänder offensichtlich zur der Erkenntnis gelangen, dass es absolut keinen Grund gab, die knautschig verklebte Gemütlichkeit aufzugeben.

Deshalb besann ich mich auf ein Mittel, das bis dato noch immer geholfen hatte: DDR-Lieder! Ich vergewisserte mich, dass die Fenster im Auto geschlossen waren. Und dann schmetterte ich der Frühlingssonne das Weltjugendlied entgegen, so gut ich es konnte. Kaum Atem geholt, aber bereits ein bisschen „immer bereit“, wie es die Pionierorganisation im Osten stets gefordert hatte, schmiss ich dann noch die absolute Perle meiner gesanglichen Chor-Ausbildung der DDR hinterher – das einzigartige Lied zur Fahne der ostdeutschen demokratischen Republik: „Hammer und Zirkel im Ährenkranz

In dem Lied geht es darum, dass Schmiedehämmer, klug geführte Zirkel am Reißbrett und eine durchdachte Aussaat der Ähren dafür sorgen, dass der DDR ein Glück bereits an der Wiege beschert wird und ihr Ruhm sogleich über die Grenzen des Vaterlandes ausstrahlt. Schwerer Tobak, aber das ganze wird in einer Art Hymne besungen, die es in sich hat, da sie sich Schritt für Schritt aufschwingt zu nicht enden wollendem Jubel. Jedes mal, wenn ich dieses Lied fertig gesungen habe, stoße ich daher automatische Hoch-Rufe auf Erich Honecker an, obwohl ich einer sehr systemkritischen Familie entstamme, die bereits 1988 die DDR verlassen hat.

So geschieht es auch diesmal: ich krakele noch völlig gelöst den Ruf der Freien Deutschen Jugend „Freundschaft“ heraus, als ich die Autotür öffne und mich schließlich daran erinnere, dass wir nun schon mindestens 20 Jahre in einer neuen Zeit leben, die auch ich in ihren Grundzügen so gewollt habe. Aber was solls: meine Stimmbänder sind aus ihrer Nachtruhe erwacht: Macht der Gewohnheit…

Wengler – darauf hat Neukölln gewartet!

Februar 10, 2009

Auf diese Art von Werbung haben es Jutta Wengler und ihr Mann bestimmt nicht abgesehen. Da ist ein Blog so tot, wie ein Blog nur tot sein kann im schnelllebigen Alter des „Web 2.0“. Und nun will dieses Blog ausgerechnet mit Reklame für ein neues Neuköllner Restaurant wieder an Aktualität gewinnen.

Doch sei es drum. Weil der Inhaber des Blogs gerne gut isst, möchte er hier freimütig für eine neue, ehrliche Neuköllner Instanz in der Reuterstraße werben. Eine Instanz, die sich Einheimische wie Du und Ich schon lange im Kiez gewünscht haben. Hier gibt es Wiener Schnitzel, Bauernfrühstück, aber auch Röstitaler mit Lachs zu realen Preisen. Zudem werden Leber auf Salat, Käsespätzle und Variationen vom Schnitzel angeboten. Zu all diesen Gerichten wird ein gepflegtes Bier gezapft oder ein stimmiger Wein gereicht.  Das ist  einfach „knorke“! 

Und der Clou: das Restaurant belebt nicht nur das Herz von Neukölln, sondern ist auch ohne Stufen zugänglich. Außerdem wird Menschen mit Sehbehinderungen gern geholfen. Ein einziger Wermutstropfen bleibt: die Toiletten sind für breitere Rollstühle leider nicht geeignet.

Und wenn auch nicht alle Barrieren vom sehr freundlichen Personal aus dem Weg geräumt werden können, ein Besuch des „Wenglers“ sei hier dennoch wärmstens emfohlen. Kontakt: Wengler, Reuterstraße 85, 12053 Berlin. Telefon: 030 / 62 00 59 55

 

 

Sp(r)itzenleistungen? Die paralympischen Wettbewerbe in Beijing

August 10, 2008

Sie haben also wieder begonnen: die olympischen Sommerspiele der gesunden athletischen Körper. Und sie dauern vom 8. bis 24. August 2008. Die Sommerspiele der behinderten Körper dagegen finden vom 6. bis 17. September 2008 statt. Sie heißen wie gewohnt Paralympic Games,  zweckmäßig mit dem Zusatz ihres Austragungsortes versehen – also: Beijing Paralympic Games 2008.

Bei längerem Nachdenken irritiert mich der Name ein wenig. Die Endung „-lympics“ klingt in Erinnerung an die sommerlichen Sportspiele der Nichtbehinderten ja noch recht passend,  stammt sie doch vom englischen „O-lympics“. Aber was meint wohl die Vorsilbe „para“? Schaue ich auf den Seiten der deutschsprachigen Wikipedia nach,  so wird mir für „para“ unter anderem der Spitzname einer Waffe im Online-Spiel „Counter Strike“ vorgeschlagen oder eine Kurzform für französische Fallschirmjäger.

Vom französischen Fallschirmjäger aus tasten sich meine Assoziationen über verunglückte Absprünge rascht zum Begriff „Querschnittslähmung“ vor, und tatsächlich heißt „Para-plegic“ soviel wie „gelähmt“. Aber waren die Paralympics bei ihrer Erfindung im Jahre 1948 nur eine Veranstaltung für Gelähmte? Von dem, was das Internet dazu ausspuckt, ist davon auszugehen,  dass dies mindestens bis zu den „Paralympics“ 1960 in Rom der Fall war.

Und noch etwas irritiert mich. Bei all den vielen Doping-Vorwürfen in letzter Zeit habe ich einfach mal inne gehalten und mir das Magazin „Achtung positiv! Das Doping-Webmagazin“ der ARD zu Gemüte geführt. Und welcher Bereich des Sports ist demnach wohl führend im Doping? Nein, nein, nicht der Radsport. Der kommt erst auf Platz 5. Vor allen anderen Sportarten sind es ausgerechnet die paralympischen Sportarten, bei denen die meisten Dopingfälle auftreten.

Zu dieser pikanten Erkenntnis passt eine Meldung vom 1. Juli 2008. Dort heißt es : „Dachverband der Apotheken unterstützt die paralympische Bewegung“. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt und sich fragt, ob wir uns bei den paralympischen Sommerspielen in Beijing am Ende gar über noch mehr Sp(r)itzenleistungen als bei den gerade begonnen o-lympischen Spielen freuen werden.

Vielleicht ist es aber auch nur so, dass es leichter ist, behinderte Sportlerinnen und Sportler zu kontrollieren. Oder die paralympische Bewegung verfügt noch nicht über genug Ressourcen, um Doping mit der nötigen Dezentheit umzusetzen wie es in anderen Sportarten längst üblich sein mag. Wer weiß, wer weiß…

Schmerzfreie Nacht

Juni 24, 2008

Heute war mein neuer E-Rolli im wahrsten Sinne des Wortes so „alle“, dass fast nichts mehr ging bzw. fuhr.

Ich hatte darauf spekuliert, dass die Spannungsanzeige der Batterie wie in der Bedienungsanleitung angegeben alle vier Kilometer ein Signal über die abnehmende Ladung liefern würde, aber genau das tat sie nicht. Während im so genannten „grünen Bereich“ das Erlöschen einer kleinen grüne Leuchte tatsächlich etwa alle vier Kilometer den Fortgang des Entladens signalisiert, kann ich mich auf diese Logik im gefährlichen „roten Bereich“ offensichtlich nicht verlassen. Hier gehen die Spannungsanzeigeleuchten scheinbar schon nach höchstens zwei Kilometern aus. Blöderweise gibt es nur zwei kleine Lichtlein im „roten Bereich“, während der grüne Bereich geradezu robust ausgestattet ist mit fünf Leuchten. Dass die zwei letzten Lichter so schnell ausgehen würden, damit hatte ich einfach nicht gerechnet.

Nun, ich schaffte es mit Mühe und Not, den ausgepumpten E-Rolli nach Hause zur rettenden Steckdose zu bugsieren. Weil ich noch wichtige Einkäufe zu tätigen hatte, nahm ich dann kurzerhand den alten E-Rolli und fuhr los. Dieser Rollstuhl fährt mit 6 Kilometern in der Stunde nur halb so schnell wie der neue Stuhl, deshalb kam ich mir auf einmal unendlich langsam vor.

Die vermeintliche Langsamkeit hatte aber auch ihre Vorteile – ich nahm mehr Details wahr. So hätte ich im Geschwindigkeitsrausch von 12 Kilometern pro Stunde wahrscheinlich nie die suchende Frau erblickt. Sie suchte einen Hauseingag „gegenüber von dem Spielplatz, der an einen Park grenzt.“, wie sie mir sagte. Ich gab mich ortskundig und begleitete sie für eine kurze Weile in die richtige Richtung. Als wir schließlich am gesuchten Spielplatz vorbeifuhren, wies ich darauf hin, dass sie nun am Ziel sei und wünschte ihr einen guten Tag.

Die Antwort kam prompt: „Na, sie kennen sich hier ja aus! Aber sie fahren ja sicher auch den ganzen Tag in diesem Viertel umher. Da weiß man ja automatisch, wo welche Ecke ist.“ Bevor ich protestieren und darauf verweisen konnte, dass es nicht wirklich meine große Leidenschaft ist, jeden Winkel meines Viertels mehrfach täglich zu ergründen, rief die Dame noch hinterher: „Ich wünsche Ihnen eine schmerzfreie Nacht, damit sie sich endlich einmal ausruhen können!“ Ein paar Schmerzen habe ich tatsächlich gerade – na ja so Zipperleins am Rücken. Aber ob sie die wohl gemeint hatte? Verdattert fuhr ich weiter.

Nööö, oder?

April 8, 2008

Da wollte ich also endlich meine erste Homepage anmelden in diesen lääängst vergessenen Tagen des letzten Jahrhunderts. Aber sowohl „fabianschwarz.de“ und auch „fabian.schwarz.de“ waren 1999 nicht mehr zu haben. Deshalb hatte ich mich für den damals in meinen Ohren dynamisch klingenden Titel „go-fabianschwarz.de“ entschieden. Was für ein großartiger Fehltritt!

So richtig glücklich war ich mit dem „Gohoo fabianschwarz Punkt de-ee“ nie. Das klang immer ein wenig nach Marktschreierei bzw. nach Rummelplatz. So als würde ich für ein Karusell werben: „Fahren Siiieee Gohoo fabianschwarz Punkt de-eee! Denn das ist Spitze, das ist klasse! Und die Chips gibts an der Kasse!“ Immer wenn ich damals meinen Professorinnen und Professoren im Psychologie-Studium die etwas gehetzt wirkende Homepage buchstabierte, konnte ich mir deshalb ein nervöses Wimpernzucken nicht verkneifen.

Die damalige Homepage ist längst wieder abgeschafft. Aber wenn ich jetzt – in einem Anflug von Sentimentalität – an diese meine Pionierzeit des Internets zurück denke, google ich selbstverliebt hin und wieder  die damals vergebenen Adressen. Und siehe da: die Dingerchen sind wieder frei! Dann sage ich mir: „Nööö, oder?“ Da hatten meine Konkurrenten also vielleicht schon längst aufgegeben, während ich mit meinen damaligen Webseiten noch eine Runde im „Gohooo-Dingsda“-Karusell gedreht habe.

Naja… Aber was hätte ich wirklich anders gemacht, wenn meine Internet-Adresse nun stolz „www.fabianschwarz.de“ geheißen hätte? Wäre ich dann nicht auf ein eigenen Blog und das gelegentliche Bloggen umgestiegen? Hätte ich die wohlklingende Internet-Präsenz mit meinen mehr schlecht als recht anmutenden HTML-Kenntnissen über Jahre und Jahrzehnte wirklich tapfer verteidigt? Ich glaube, darüber muss ich noch eine Runde schlafen … In diesem Sinne: Gute Nacht!

Da glüht was im Berliner Kabel!

April 6, 2008

Der Internetsender „Ohrfunk.de“ ist im Berliner Kabel angekommen. Auf der Frequenz 90,80 MHz kann man Ohrfunk nun auch im Berliner Kabel hören, ohne den guten alten oder neuen Computer anwerfen zu müssen. Das ist schön, denn so können auch Leute dem Ohrfunk lauschen, die keinen Rechner haben oder es einfach nicht mögen, Radio über den Computer zu hören.

Allerdings halten sich die Macherinnen und Macher dieses Projektes, die Mitglieder der Medieninitiative blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland (MIBS) e. V., bedeckt darüber, ob dieses Angebot nun für Dauer ist und wann gegebenenfalls auch andere Regionen in den Genuß von „Ohrfunk“ im Radio-Kabel kommen werden. Bis jetzt war nur zu hören, dass es sich um eine Test-Phase handeln würde, die auch wieder abgebrochen werden könne. Genaueres ist zur Zeit nicht zu erfahren.

Egal wie lange diese Testphase nun dauern sollte: es macht auf jeden Fall Spaß, Ohrfunk auf der heimischen Stereoanlage zu lauschen – ohne das Geräusch des Lüfters vom PC im Hintergrund.