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Grüße aus dem Untergrund

August 11, 2006

Letzten Freitag bin ich um 19.30 Uhr in den Untergrund gegangen. Um genau um 21.53 Uhr von dort wieder aufzutauchen. Ich habe nämlich an einer U-Bahn-Fahrt teilgenommen. Nicht an einer gewöhnlichen U-Bahn-Fahrt, sondern an einer Fahrt mit dem sogenannten „U-Bahn Cabrio“. Dies ist eine U-Bahn, in der die Fahrgäste in offenen Wagen sitzen. Und sie fährt vom U-Bahnhof Alexanderplatz in knapp zwei Stunden eine Runde durch das Berliner U-Bahnnetz.

Eine durchaus beeindruckende Rundfahrt! Ich habe riesige unterirdische Abstellanlagen gesehen, in denen dutzende U-Bahzüge auf ihren nächsten Einsatz warten können. Ich bin durch Verbindungstunnel zwischen den einzelnen Linien gefahren, von denen der normale Passagier nichts mitbekommt. Und endlich einmal habe ich ansatzweise kapiert, wie die Tunnel für die U-Bahn eigentlich gebaut wurden.

Im Gegensatz zur Metro z.B. in Prag oder in Moskau, die tief, tief unter der Erde fährt, ist die Berliner Untergrundbahn eine sogenannte „Unterpflasterbahn“. Dies heißt, dass ihre Tunnel fast unmittelbar unter dem Asphalt der Straßen verlaufen. Dies kann man auch spüren auf Gehwegen oder in Kneipen, die über bzw. direkt neben einem U-Bahntunnel liegen: wenn ein Zug durchfährt, verspürt man ein leichtes Vibrieren des Bodens.

Da die U-Bahntunnel also nicht wirklich tief liegen im Berliner Untegrund, sind sie meistens entstanden, indem in der Straße eine Baugrube ausgehoben wurde, in die hinein dann der U-Bahntunnel gebaut wurde, um anschließend die Aushebung wieder zuzuschütten und die Straße darüber neu anzulegen. Es gibt aber auch Tunnelabschnitte, die in das Erdreich gebohrt wurden von großen Tunnelbohrmaschinen, ohne dass die Oberfläche aufgebrochen wurde. Dies war kostspieliger als die Grubentechnik, brachte aber den angenehmen Effekt mit sich, dass keine Straßen gesperrt werden mussten und so der überirdische Verkehr nicht beeinträchtigt wurde.

Die U-Bahn in Berlin fährt mit Strom. In diesem Zusammenhang fand ich auf der Cabrio-Tour die Information interessant, dass die U-Bahn im Jahr einen Stromverbrauch hat wie eine Großstadt und dass man den Strom für die Bahn immer wieder neu an der Leipziger Strombörse ersteigert.

Kann ich die Tunnel-Tour empfehlen? Bedingt, würde ich sagen. Es ist schon ein irres Gefühl, durch die U-Bahntunnel im offenen Cabrio-Zug zu sausen (ganz abgesehen von dem Spaß, an den einzelnen Bahnhöfen die Reaktionen der Fahrgäste zu studieren, die ja nicht vorbereitet sind darauf, dass da kein gewöhnlicher U-Bahnzug langfährt!) Es war auch überhaupt kein Problem, den Falt-Rollstuhl mitzunehmen auf die Tour. Aber für eingefleischte Fans des öffentlichen Nahverkehrs dürften die Informationen, die ein Moderator während der Fahrt gibt, zu dürftig sein. Und der Preis von 40 Euro pro Person scheint mir auch nicht wirklich gerechtfertigt.

Fazit: es war ein außergewöhnlicher, aber sehr teurer Abend.

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