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Nochmals Rollstühle und Co

Januar 25, 2008

Die Sache mit dem Vergleich von Hilfsmitteln ist mir auch im neuen Jahr noch ein Anliegen. Es heißt doch immer so schön, der Kunde bzw. die Kundin sei König. Warum soll dies nicht gelten für Menschen mit Behinderung?

Irgendwann in den 80er Jahren, oder waren es schon die 70er Jahre?, sagte ein kluger Kopf der entstehenden Behindertenbewegung: wir wollten nicht mehr lieb, doof und gut zu verwalten sein! Ein hehres Ziel, das ich so im Großen und Ganzen natürlich unterstütze!

Aber immer dann, wenn es um die Beschaffung einen neuen Rollstuhl ging, habe ich mich bis vor kurzem genau so NICHT erlebt und ganz furchtbar gekniffen. Denn dann trat ich genau so auf, als wäre ich als Behinderter lieb, doof und ungemein einfach zu verwalten.

So freute ich mich jedes Mal irrsinnig, wenn der fahrbare Untersatz da war. Wie im Rausch verzieh ich dann zum Beispiel, wenn der Lieferant ein wenig selbstkritisch zu bedenken gab, dass das mit den Reparaturen eines E-Rollis im Zeitalter der Vollelektronik schwieriger werden könnte. Er sagte dann etwa, dass nun nicht mehr einfach nur ein einzelnes fehlerhaftes Bauteil austauschbar wäre, sondern gleich ganze Bausätze gewechselt werden müssten, deren Beschaffung aber oft mehrere Tage in Anspruch nehmen würde. Da konnte es schon vorkommen, dass ich ihm wie entrückt großzügig mitteilte, dass das doch gar nichts mache. Und dies, obwohl es mir in Wahrheit selbstverständlich sehr viel ausmacht, ob eine Reparatur zeitnah am gleichen Tag ausgeführt werden kann oder ich tagelang ohne funktionsfähigen Rolli auf dem Trockenen sitze.

Nun, inzwischen ist die Tendenz zur lieben, doofen und leichten Verwaltbarkeit bei mir weitgehend verflogen. Und ich stritt das erste Mal mit meiner Krankenkasse darüber, dass mein neuer E-Rollstuhl sowohl auf meine Bedürfnisse als kleiner Mensch zugeschnitten sein muss, als auch auf die Notwendigkeit, dass ich mich mit dem E-Stuhl in Wohnungen und im Freien unfallfrei bewegen kann.

Dieser Streit war überfällig und ich rufe noch einmal mutig in die Runde, hier von den Erfahrungen mit Hilfsmitteln zu berichten. Für uns Betroffene kann es von unschätzbarem Wert sein zu erfahren, ob ein Hilfsmittel in der Praxis etwas taugt bzw. in welcher Umgebung es dies tut, und in welcher nicht, bevor wir uns darüber mit unserer Kranken- oder Gesundheitskasse streiten.

Und damit mein Aufruf nicht abstrakt bleibt, hier noch ein Erfahrungsbericht zur Firma „Tünkers“. Die Firma „Tünkers Maschinenbau“ stellt unter anderem auch Elektro-Roll- und Hub-Stühle her. Das aktuelle Modell heißt „Butler II“ und ist batteriebetrieben. Ich habe es zwei Jahre benutzt, dann waren neue Batterien fällig. Aber das war nicht so einfach. Ich muss feststellen: so eine miserable Abwicklung eines Batteriewechsels habe ich noch nie erlebt! Fünf ganze Monate, angefüllt mit Schreiben und Telefonaten in Richtung Firma Tünkers, musste ich warten, bis die Batterien gewechselt wurden und ich den Stuhl an meinem Arbeitsplatz wieder benutzen konnte.

Wie ist es Ihnen mit Ihren Hilfsmitteln ergangen? Ganz ähnlich oder auch ganz anders? Schreiben Sie mir bitte von ihren Erfahrungen. Nur gemeinsam können wir es vielleicht schaffen, im Bereich der so genannten Hilfsmittelversorgung als ernstzunehmende Verbraucherinnen und Verbraucher wahrgenommen zu werden!

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