Schmerzfreie Nacht

Heute war mein neuer E-Rolli im wahrsten Sinne des Wortes so „alle“, dass fast nichts mehr ging bzw. fuhr.

Ich hatte darauf spekuliert, dass die Spannungsanzeige der Batterie wie in der Bedienungsanleitung angegeben alle vier Kilometer ein Signal über die abnehmende Ladung liefern würde, aber genau das tat sie nicht. Während im so genannten „grünen Bereich“ das Erlöschen einer kleinen grüne Leuchte tatsächlich etwa alle vier Kilometer den Fortgang des Entladens signalisiert, kann ich mich auf diese Logik im gefährlichen „roten Bereich“ offensichtlich nicht verlassen. Hier gehen die Spannungsanzeigeleuchten scheinbar schon nach höchstens zwei Kilometern aus. Blöderweise gibt es nur zwei kleine Lichtlein im „roten Bereich“, während der grüne Bereich geradezu robust ausgestattet ist mit fünf Leuchten. Dass die zwei letzten Lichter so schnell ausgehen würden, damit hatte ich einfach nicht gerechnet.

Nun, ich schaffte es mit Mühe und Not, den ausgepumpten E-Rolli nach Hause zur rettenden Steckdose zu bugsieren. Weil ich noch wichtige Einkäufe zu tätigen hatte, nahm ich dann kurzerhand den alten E-Rolli und fuhr los. Dieser Rollstuhl fährt mit 6 Kilometern in der Stunde nur halb so schnell wie der neue Stuhl, deshalb kam ich mir auf einmal unendlich langsam vor.

Die vermeintliche Langsamkeit hatte aber auch ihre Vorteile – ich nahm mehr Details wahr. So hätte ich im Geschwindigkeitsrausch von 12 Kilometern pro Stunde wahrscheinlich nie die suchende Frau erblickt. Sie suchte einen Hauseingag „gegenüber von dem Spielplatz, der an einen Park grenzt.“, wie sie mir sagte. Ich gab mich ortskundig und begleitete sie für eine kurze Weile in die richtige Richtung. Als wir schließlich am gesuchten Spielplatz vorbeifuhren, wies ich darauf hin, dass sie nun am Ziel sei und wünschte ihr einen guten Tag.

Die Antwort kam prompt: „Na, sie kennen sich hier ja aus! Aber sie fahren ja sicher auch den ganzen Tag in diesem Viertel umher. Da weiß man ja automatisch, wo welche Ecke ist.“ Bevor ich protestieren und darauf verweisen konnte, dass es nicht wirklich meine große Leidenschaft ist, jeden Winkel meines Viertels mehrfach täglich zu ergründen, rief die Dame noch hinterher: „Ich wünsche Ihnen eine schmerzfreie Nacht, damit sie sich endlich einmal ausruhen können!“ Ein paar Schmerzen habe ich tatsächlich gerade – na ja so Zipperleins am Rücken. Aber ob sie die wohl gemeint hatte? Verdattert fuhr ich weiter.

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