Archive for the ‘Computer’ Category

Da glüht was im Berliner Kabel!

April 6, 2008

Der Internetsender „Ohrfunk.de“ ist im Berliner Kabel angekommen. Auf der Frequenz 90,80 MHz kann man Ohrfunk nun auch im Berliner Kabel hören, ohne den guten alten oder neuen Computer anwerfen zu müssen. Das ist schön, denn so können auch Leute dem Ohrfunk lauschen, die keinen Rechner haben oder es einfach nicht mögen, Radio über den Computer zu hören.

Allerdings halten sich die Macherinnen und Macher dieses Projektes, die Mitglieder der Medieninitiative blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland (MIBS) e. V., bedeckt darüber, ob dieses Angebot nun für Dauer ist und wann gegebenenfalls auch andere Regionen in den Genuß von „Ohrfunk“ im Radio-Kabel kommen werden. Bis jetzt war nur zu hören, dass es sich um eine Test-Phase handeln würde, die auch wieder abgebrochen werden könne. Genaueres ist zur Zeit nicht zu erfahren.

Egal wie lange diese Testphase nun dauern sollte: es macht auf jeden Fall Spaß, Ohrfunk auf der heimischen Stereoanlage zu lauschen – ohne das Geräusch des Lüfters vom PC im Hintergrund.

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Schreibblockaden lösen

Juni 7, 2007

Ich bin blockiert, und zwar schreibblockiert. Und dies schon seit Wochen. Aber jetzt wird es Zeit, diese Blockaden zu lösen. Dies hat nichts mit dem gerade an der Ostsee tobenden G8-Gipfel zu tun. Obwohl auch hier einige Blockaden eine Rolle spielen. Aber ich will ja nicht durch ein möglichst häufiges Erwähnen des Stichwortes „G8“ meine Seitenaufrufe nach vorne katapultieren. Dies wäre ja fast schon ein Blog-Doping, und das würde dann wieder an die Doping-Geständnissse einiger Rad-Profis erinnern. Womit ein anderes leser-heischendes Stichwort gefallen wäre …

Nein, hier soll es nicht um das Aufbessern irgendwelcher Blog-Statistiken gehen, sondern darum, wie ich wieder in einen Schreibfluss gelangen kann. Deshalb stelle ich hier einfach mal knapp zwei Themen vor, die mir gerade einfallen.

Zum einen die immer noch geltende Maxime in unserer Gesellschaft: „Behinderte sind stets per Du anzusprechen“. Ich stand neulich im Supermarkt vor einem Kühlregal. Eine Ware, die mich interessierte, war Lichtjahre entfernt von dem Greif-Radius meiner Hände. Neben mir standen eine junge Frau und ihr männlicher Begleiter. Die Arme der beiden schienen OK und in der Lage zu sein, in ungeahnte Welten vorstoßen zu können. Ich fragte die beiden also: „Könnten Sie mir bitte den Artikel XY aus dem Regal reichen?“ Er antwortet: „Klar, gern! Aber was genau willst Du haben?“

Zum anderen muss ich auf meine Behauptung vom April 2006 eingehen, dass der Screenreader „VoiceOver“ des Mac-Betriebssystems noch nicht einmal mit seiner eierlegenden Wollmilchsaus „iTunes“ reden mag. Zur Erinnerung: ein Screenreader ist ein Programm, dass blinden Menschen die Inhalte auf dem Bildschirm eines Computers vorliest. Nun, inzwischen redet „VoiceOver“ auf einem Mac auch mit „iTunes“.

So, das war es für heute. Die Schreibblockaden haben, so glaube ich, wieder die Oberhand erlangt. Aber mal sehen, für wie lange …

Von wegen Vereinsamung am PC

September 19, 2006

Am Samstag waren meine Freundin und ich mal wieder auf einer netten Party. Auf einer Party, die der „Ohrfunk“ veranstaltet hat. Nun ja, auf Parties sind wir schon öfters gewesen. Aber nicht oft auf einer, die durch und erst mit dem Internet möglich wurde. Es war nämliche eine virtuelle Party Wir unterhielten uns im „Irrenhaus“, einem der wenigen nicht kommerziellen Anbieter von Telefon-Chat-Konferenzen, mit anderen Partygängern über das laufende Musik-Programm des Internet-Radiosenders „Ohrfunk.de“, über unsere Ergänzungswünsche und das Leben ganz allgemein. Der Rechner ist doch schon ein gutes Stück Dreh- und Angelpunkt unserer Kommunikation geworden!

Heute denke ich zurück an die Zeit vor nunmehr 20 Jahren, als ich meine ersten Gehversuche (als Rollstuhlfahrer!) in Sachen Computer unternommen hatte. Damals sah die Sache ganz anders aus: Das Internet war noch nicht erfunden. Die Einrichtung von Internet-Radiostationen wie dem „Ohrfunk.de“ hätte ich mir wahrscheinlich gar nicht vorstellen können, ebenso wenig Telefonkonferenzen wie die im „Irrenhaus“. Und das Heimcomputern war eine einsame Angelegenheit!

Mein erster Computer war ein „ZX Spektrum“, und um diese neue Wunderkiste zu verstehen, saß ich stundenlang davor – allein. Meine Mutter fürchtete gar, dass mich eines Tages das gleiche Schicksal ereilen würde, das die aufgeklärte Allgemeinheit Mitte der 80er Jahre für sämtliche Heimcomputer-Nutzer vorhersagte: dass sie nämlich über kurz oder lang vereinsamen würden vor ihren Rechnern. Dass Computer eines Tages auch helfen würden, Kontakte aufrecht zu erhalten oder neu zu knüpfen – daran war zu dieser Zeit gar nicht zu denken.

Nun, es ist bekanntermaßen anders gekommen als gedacht! Und wie wir Berliner sagen würden: „Das ist auch gut so!“ Es muss ja nicht gleich eine virtuelle Party sein – die meisten von uns kommunizieren heute auch im ganz gewöhnlichen Alltag bereits ein gutes Stück weit über den Computer. Vor allem, wenn wir Emails schreiben, aber auch, wenn wir z.B. online bestellen. Und der Rechner als Kommunikationszentrum wird in den nächsten Jahren noch zunehmen, so die landläufige Meinung. Also von wegen: Vereinsamung am PC.

Meine Rekonvertierung zu Windows?

Juni 1, 2006

Als Fan alternativer Betriebssystem ist es für mich nicht einfach, sich damit abzufinden, dass auf fast allen Computern Windows läuft. Aber selbst ich als eingefleischter Nicht-Windows-Nutzer musste mir vor einigen Wochen endgültig eingestehen, dass das Fenster-System aus Redmond und die dafür verfügbare Software unschlagbare Vorteile hat. Denn blinde Menschen sind heutzutage nur unter Windows in der Lage, einen PC einigermaßen praktikabel zu nutzen.

So auch meine blinde Freundin. Sie arbeitet beruflich immer häufiger mit Email und Internet und hat sich zunehmend darüber geärgert, dass sie nur bei sich aber nicht bei mir zu Hause die Möglichkeiten hat, selbständig ins Netz zu gehen. Mein noch relativ neues „iBook“ bleibt ihr dank seines akzentreichen Screenreaders und der ungewohnten Bedienung ein „Book“ mit sieben Siegeln. Und für Experimente mit meinem alten Linux-Computer hatten wir beide keine große Lust – obwohl es ja Möglichkeiten für blinde User gibt, unter Linux zu arbeiten.

Also entschlossen wir uns, dass mein Mac Gesellschaft bekommen sollte von einem neuen Windows-PC. Nachdem wir den PC vorige Woche gekauft hatten, habe ich mich gestern daran gemacht, den erstandenen PC mit dem Fenster-System einzurichten.

Und ich muss sagen: es ging ganz gut! Zum einen bin ich offensichtlich nicht wirklich aus der Übung, was das Handling von Windows bertrifft. (Ja, ich gebe zu, bis 1999 ausschließlich unter Windows gearbeitet zu haben.) Zum anderen ist Windows-XP ja um Längen intuitiver als ältere Windows-Systeme.

Um den Computer für meine Freundin erreichbar zu machen, musste nun aber noch ein Screenreader her. Meine Freundin nutzt „Jaws„. Ich kenne „Jaws“ natürlich schon vom PC bei ihr zu Hause. Aber nun, da ich ihn selbst eingerichtet habe und die Gelegenheit beim Schopfe packen konnte, um ein wenig damit rumzuspielen, bin ich richtig beeindruckt. Es gibt für den Screenreader kaum eine Situation, in der er verstummt. Und die Stimme ist klar verständlich. Kein Vergleich mit dem schwachen Stimmchen, das mein Mac zu bieten hat und das in den meisten Anwendungen leider schweigt.

Ob dies nun der Beginn einer Rekonvertierung zu Windows ist? Mal sehen. Ich hatte mich von Windows abgewandt, weil ich Lust hatte auf alternative Bedienkonzepte und damals sehr überzeugt war von OpenSource. Die Lust auf Alternativen ist nach wie vor da. Auch der Glaube an OpenSource. Aber die ideologische Barriere in meinem Kopf ist kleiner geworden. Und wenn es nun für blinde Menschen am einfachsten ist, mit Windows zu arbeiten, dann öffne ich mein Herz eben auch wieder für das kommerzielle Fensterln.

Aus dem Netz auf die Ohren!

April 11, 2006

Beim Stöbern durch die Kobinet-Nachrichten stieß ich im Oktober 2005 auf einen Artikel, in dem über ein Interview von Jens Bertrams auf Milina-Radio, einem Internetradio von Menschen mit Behinderungen, berichtet wurde. Zu meiner Freude kannte meine von Apple kreierte eierlegende Wollmilchsau in Sachen Musikabspielen, also das iTunes-Programm, die Wiedergabe von Internetradios bereits. Und so wurde der Artikel der Kobinet-Nachrichten zum Startschuss für meine Reise in die Welt der Internetradios.

Nachdem ich enthusiastisch verschiedene Adressen ausprobiert hatte, stellte ich bald ernüchtert fest, dass es nur wenige Sender im Internet gibt, die neben einem nicht enden wollenden Strom von Musik redaktionelle Beiträge bringen. Und nur sehr wenige, die auch Fragen zu körperlichen oder Sinnes-Behinderungen thematisieren.

In dieser Hinsicht war Milina-Radio einzigartig. Die Zukunft von Milina-Radio ist ungewiss, zurzeit wird nicht gesendet.

Dafür gibt es seit Januar einen neuen deutschsprachigen Sender, der auf geniale Weise allgemeine aktuelle Themen und politische Beiträge rund um das gesellschaftliche Phänomen "Behinderung" mit gut gemachten Musikbeiträgen und spezialisierte Musiksendungen kombiniert. Es ist dies der Ohrfunk.

Ja, Ohrfunk könnte zu einem neuen aufgeklärten Lifestyle werden. Und ich gestehe: Ich bin Ohrfunk und seinem ModeratorInnen-Team bereits verfallen!

Matthias – ein schwaches Stimmchen für den Mac.

April 11, 2006

Seit letztem Herbst nutze ich ein iBook von Apple für die tägliche Arbeit. Nach kurzer Zeit habe ich dann entdeckt, dass das neue Betriebssystem für den Mac, das Mac OS X Tiger, einen Screenreader enthält. Und zwar richtig tief eingelassen ins System. Ich staunte nicht schlecht. Der Screenreader ist Teil des Voiceover-Programms, eine Benutzeroberfläche für Menschen mit Sehbehinderungen und für blinde Menschen. Mit VoiceOver ist der Mac ganz über die Tastatur steuerbar und je nach Wunsch wird das, was auf dem Bildschirm geschieht, stark vergrößert dargestellt oder akkustisch beschrieben.

Nun, der Linux-Desktop von SuSE kommt seit Version 7.0 mit dem Screenreader Blinux daher. Dieser beherrscht Sprachausgabe und unterstützt die gängigsten Braille-Zeilen. Aber PCs mit Linux sind immer noch Exoten und für den Laien oft nicht so einfach zu bedienen.

Für den Quasi-Standard der PC-Welt, also für Rechner mit Windows, gibt es bisher standardmäßig nur eine Vergrößerungshilfe für sehbehinderte Menschen. Blinde dagegen müssen für ihren Windows-PC teure Software anschaffen, um Braille-Zeilen zu betreiben und Sprachausgabe zu ermöglichen.

Da ist es schon bemerkenswert, dass nun der zweite etablierte Anbieter eines kommerziellen Betriebssystems nicht nur auf die Belange sehbehinderter Menschen eingeht, sondern auch blinde Menschen mit den Annehmlichkeiten seines Systems vertraut machen will. So scheint es jedenfalls.

Denn nach einem ersten Ausprobieren von VoiceOver stellte ich fest, dass dieser Screenreader nur einige wenige von Apple entwickelte Programme beherrscht. Dazu gehören das mitgelieferte Mail-Programm und der Internetbrowser des Macs. In den meisten Anwendungen bleibt VoiceOver stumm. So kann ein blinder Mensch noch nicht einmal das komfortable iTunes, die von Apple selbst stammende eierlegende Wollmilchsau unter den Musikabspiel-Programmen, bedienen. Ganz zu schweigen von Office-Anwendungen wie dem freien NeoOffice.

So ist der Sreenreader von Apple natürlich nur ein schwaches Stimmchen für den Mac. Hinzu kommt, dass VoiceOver nur englisch spricht. Dies finde ich einfach nur unverständlich, wird das Betriebssystem an sich doch in allen möglichen Sprachen ausgeliefert. Und damit wollte ich mich auch nicht zufrieden geben.

Nach einigen Recherchen im Internet, stieß ich auf die Firma Cepstral. Sie bietet zu vergleichsweise günstigen Preisen Stimmen in vielen Sprachen für den Screenreader von Apple an. Jeweils eine weibliche und eine männliche. Bevor man die Stimmen kauft, kann man sie schon einmal probeweise runterladen und testen.

Meine blinde Freundin entschied sich für Matthias, den männlichen Vertreter der deutschen Cepstral-Stimmen. Nachdem ich mit einem Mitarbeiter von Cepstral via Mail geklärt hatte, dass ich auch überweisen kann, und nicht wie auf der Homepage angegeben, eine Kreditkarte zücken muss, spricht mein Mac meiner Freundin und mir nun gelegentlich Webseiten und Emails auf Deutsch mit hartnäckigem schwedischen Einschlag vor. Immerhin!