Nochmals Rollstühle und Co

Januar 25, 2008

Die Sache mit dem Vergleich von Hilfsmitteln ist mir auch im neuen Jahr noch ein Anliegen. Es heißt doch immer so schön, der Kunde bzw. die Kundin sei König. Warum soll dies nicht gelten für Menschen mit Behinderung?

Irgendwann in den 80er Jahren, oder waren es schon die 70er Jahre?, sagte ein kluger Kopf der entstehenden Behindertenbewegung: wir wollten nicht mehr lieb, doof und gut zu verwalten sein! Ein hehres Ziel, das ich so im Großen und Ganzen natürlich unterstütze!

Aber immer dann, wenn es um die Beschaffung einen neuen Rollstuhl ging, habe ich mich bis vor kurzem genau so NICHT erlebt und ganz furchtbar gekniffen. Denn dann trat ich genau so auf, als wäre ich als Behinderter lieb, doof und ungemein einfach zu verwalten.

So freute ich mich jedes Mal irrsinnig, wenn der fahrbare Untersatz da war. Wie im Rausch verzieh ich dann zum Beispiel, wenn der Lieferant ein wenig selbstkritisch zu bedenken gab, dass das mit den Reparaturen eines E-Rollis im Zeitalter der Vollelektronik schwieriger werden könnte. Er sagte dann etwa, dass nun nicht mehr einfach nur ein einzelnes fehlerhaftes Bauteil austauschbar wäre, sondern gleich ganze Bausätze gewechselt werden müssten, deren Beschaffung aber oft mehrere Tage in Anspruch nehmen würde. Da konnte es schon vorkommen, dass ich ihm wie entrückt großzügig mitteilte, dass das doch gar nichts mache. Und dies, obwohl es mir in Wahrheit selbstverständlich sehr viel ausmacht, ob eine Reparatur zeitnah am gleichen Tag ausgeführt werden kann oder ich tagelang ohne funktionsfähigen Rolli auf dem Trockenen sitze.

Nun, inzwischen ist die Tendenz zur lieben, doofen und leichten Verwaltbarkeit bei mir weitgehend verflogen. Und ich stritt das erste Mal mit meiner Krankenkasse darüber, dass mein neuer E-Rollstuhl sowohl auf meine Bedürfnisse als kleiner Mensch zugeschnitten sein muss, als auch auf die Notwendigkeit, dass ich mich mit dem E-Stuhl in Wohnungen und im Freien unfallfrei bewegen kann.

Dieser Streit war überfällig und ich rufe noch einmal mutig in die Runde, hier von den Erfahrungen mit Hilfsmitteln zu berichten. Für uns Betroffene kann es von unschätzbarem Wert sein zu erfahren, ob ein Hilfsmittel in der Praxis etwas taugt bzw. in welcher Umgebung es dies tut, und in welcher nicht, bevor wir uns darüber mit unserer Kranken- oder Gesundheitskasse streiten.

Und damit mein Aufruf nicht abstrakt bleibt, hier noch ein Erfahrungsbericht zur Firma „Tünkers“. Die Firma „Tünkers Maschinenbau“ stellt unter anderem auch Elektro-Roll- und Hub-Stühle her. Das aktuelle Modell heißt „Butler II“ und ist batteriebetrieben. Ich habe es zwei Jahre benutzt, dann waren neue Batterien fällig. Aber das war nicht so einfach. Ich muss feststellen: so eine miserable Abwicklung eines Batteriewechsels habe ich noch nie erlebt! Fünf ganze Monate, angefüllt mit Schreiben und Telefonaten in Richtung Firma Tünkers, musste ich warten, bis die Batterien gewechselt wurden und ich den Stuhl an meinem Arbeitsplatz wieder benutzen konnte.

Wie ist es Ihnen mit Ihren Hilfsmitteln ergangen? Ganz ähnlich oder auch ganz anders? Schreiben Sie mir bitte von ihren Erfahrungen. Nur gemeinsam können wir es vielleicht schaffen, im Bereich der so genannten Hilfsmittelversorgung als ernstzunehmende Verbraucherinnen und Verbraucher wahrgenommen zu werden!

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Rollstühle und andere Hilfsmittel vergleichen?

November 21, 2007

Oft genug hat sich mein Elektro-Rollstuhl der Firma „Meyra“ nun im Kreis gedreht. Der schöne Name „Optimus“ war hier definitiv nicht Programm. Vielmehr war das Gegenteil der Fall: immer wieder gab es einen Fehler auf der Lenkplatine, so dass die Lenkung dauerhaft einschlug und der Stuhl nur noch im Kreis rollte. Das war höchstens feierlich, wenn es auf der Tanzfläche einer Hochzeit passierte. Es war ganz und gar unfeierlich, wenn es auf dem Nachhauseweg auf einer belebten Straße Berlins oder aus heiterem Himmel mitten im Urlaub geschah.

Angestoßen von derart negativen Erfahrungen, beginne ich mich zu fragen, ob eine Art „Stiftung Warentest“ auch für Rollstühle möglich wäre. Eine erste Recherche führt mich ins Internet – ohne erfolgreiche Ergebnisse.

Gebe ich in der bekanntesten Suchmaschine „Google“ den Begriff „Rollstuhl“ als Suchkriterium an, erscheinen zuerst (Stand: 20.11.2007) die Adresse eines so genannten Discount-Sanitätshauses, dann ein Artikel aus der Wikipedia zum Thema „Rollstuhl“ und schließlich diverse Einträge von Herstellern von Rollstühlen und von Anbietern von Reisen für „Rolli-Nutzer“. Danach hinterlassen einschlägige Sportclubs ihre Adresse usw.

Einen übersichtlichen Vergleich zu Rollstühlen, zu ihren Vorzügen und Nachteilen, zu ihrem Preis und zu den Kosten für den Unterhalt suche ich hier vergeblich. Gibt es eine solche Seite noch nicht, oder ist sie bei den großen Suchmaschinen-Anbietern dieser Tage nur nicht verzeichnet?

Wie sind eigentlich die Erfahrungen der geneigten Leserinnen und Leser zu diesem Thema? Funktioniert der Rollstuhl so, wie Sie es sich gedacht haben? Wie sieht es mit anderen Hilfsmitteln aus? Und wer weiß von ihren Erfahrungen?

Sollten es nicht auch eine Art „Verbrauchercheck“ für Hilfsmittel geben? Was halten Sie davon?

Der alte Mann an der Bushaltestelle

Oktober 22, 2007

Heute stehe ich an der Bushaltestelle. Ja, es gibt Tage, da bin ich auf den öffentlichen Großbus angewiesen, weil sich der private Kleinbus in der Werkstatt befindet.

Ich schaue also auf den Fahrplan und stelle fest, dass ich den Bus um eine „Formel 1“-verdächtige Minute verpasst habe. Es ist kalt, der erste Wintertag in Berlin, und das ende Oktober! Ich ziehe den Reißverschluss meiner Jacke ein Stückchen höher und stelle mich auf zwanzig Minuten Gefrierzeit ein.

Da passiert es. Ich habe ihn gar nicht kommen hören. Aber auf einmal schiebt sich von hinten ein Gesicht vor meine Augen. Ein freundliches Gesicht, mit Lachfalten um die Augen und mit höflichem Abstand. Trotzdem kann ich sofort den pfefferminzigen Atem riechen.

Dann erscheint ein älterer gebückter Mann in meinem Blickfeld, dem dieses wache Gesicht offensichtlich gehört. Der Mann sagt, dass er erkältet sei. Dann fragt er, wie ich in den Bus kommen werde. An Menschen, wie mich, denke man ja viel zu wenig. Ich versuche, ihn und mich mit der Aussage zu beruhigen, dass der Busfahrer eine kleine Klapprampe am mittleren Einstieg umlegen könne, und ich dann einfach mit meinem Rollstuhl in den Bus hinein führe.

Ja, ja, pflichtet er mir bei, und seine Augen blitzen, dies sei ja genauso wie in der U-Bahn, wo der Fahrer auch eine kleine Rampe anlegen würde, wenn sich ein Rollstuhlfahrer bei ihm bemerkbar machte. Ich bewundere ihn für seine Gabe, so genau hinzugucken. Dann sagt er, dass er früher U-Bahnfahrer gewesen sei. Und dass er bis vor wenigen Jahren dafür gekämpft habe, dass wirklich alle mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren könnten.

Bevor ich bemerken kann, dass ich seinen Einsatz für behinderte Menschen sehr schätze, klagt der alte Mann, seinen Stock nicht dabei zu haben. Das Gehen ohne Stock fiele ihm nämlich sehr schwer, eigentlich bräuchte er jetzt den Stock. Ich will auch etwas dazu sagen, doch schon fragt er, wie alt ich sei. Ich antworte, ich wäre gerade 34 Jahre alt geworden. Er fängt fast an zu weinen und sagt mehr für sich als für mich, dass dies noch so viele Lebensjahre wären. Dann hält er plötzlich inne und fragt, ob ich erraten würde, wie alt er denn sei. Ich sage, dies sei schwer zu schätzen. Er klopft sich den Daumen der linken Hand auf die Brust und antwortet, er sei inzwischen 80 Jahre alt, aber das sehe ich ihm doch wirklich nicht an, oder?

Ich verneine, weil ich ihn wirklich nicht auf 80 Jahre geschätzt hätte. Er antwortet, dass seine Lebensgefährtin 75 Jahre alt sei und er ihr etwas aus der Apotheke besorgen sollte. Wenn er doch nur seinen Stock dabei hätte…

Dann fragt er mich, ob ich denn arbeiten würde. Ich bejahe, er klopft mir mehrfach auf die Schulter und wünscht mir viel Glück für mein berufliches Leben. Bevor er geht, murmelt er noch, dass es sich immer lohne, etwas aufzubauen. So wäre er stolz darauf, seinen Teil zum Wiederaufbau der Trümmerstadt Berlin beigetragen zu haben.

In diesem Moment ertappte ich mich bei der Frage, was er wohl davon gehalten hätte zu erfahren, dass ich als Psychologe nicht unmittelbar etwas aufbaue.  Aber ich halte meinen Mund und dann ist er ja auch schon weg.

Finale!

September 30, 2007

Da ist es also wieder: mein Fähnchen-Problem. Die Frauen Deutschlands stehen im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft. Und kaum einer hier in Berlin gibt dies zu erkennen. Das finde ich schon seltsam!

Ich erinnere mich noch an das Vorjahr, als die Jungens ihre Fußball-WM ausgefochten haben. Damals gab es Fähnchen mit den Farben der Bundesrepublik an jedem Auto und auch sonst überall.

Nun habe ich mit dem Schwenken nationaler Symbole immer noch so meine Probleme. Aber dass da für den heutigen Tag gar nichts läuft, kann doch auch nicht sein, oder? Schließlich stehen „unsere Frauen“ dort, wo es „unsere Männer“ im letzten Jahr nicht mehr hin geschafft haben.

Ab 14.00 Uhr unserer Zeit heute geht es los – und zwar in China und gegen Brasiliens Fußball-Frauen. Radio und Fernsehen werden live berichten.

Und so habe ich das Bier vorgekühlt, das Stimmchen geölt und werde mir ab dem frühen Nachmittag immer wieder aufmunternd im Spiegel zurufen: „Es kann nur eine Weltmeisterinnen-Nation geben – und zwar unsere Frauen!“ Fähnchen-Problem nun hin oder eben her…

P.R. Kantate bei Jürgen Jürgens?

Juli 28, 2007

Letzten Mittwoch hat Jürgen Jürgens, ein Moderator des Berliner Stadtradios „88,8“ stellvertretend die Sendung „Deutsche Vita“ moderiert und auch einige Songs von P.R. Kantate aus dem aktuellen Albulm „Dick in Jeschäft“ gespielt. Danach verwies er auf seine eigene Sendung „Hey Music“ am Montag, 30. Juni, und sagte, dass dort mehr von P.R. Kantate zu hören wäre. Ob P.R. Kantate dann wohl auch selbst im Studio ist? Am Montag um 19.30 Uhr das Stadtradio einschalten und mehr erfahren …

Übrigens: das Berliner Stadtradio ist auch über das Internet zu hören. Man benötigt lediglich den Realplayer.

„Heutzutage iss‘ allet möglisch!“

Juli 14, 2007

So dann und wann muss ich als kleiner Mensch auf diesem Blog einfach damit prahlen, dass ich ein großes Auto fahre. Aber es gibt auch immer wieder zu komische Situationen aufgrund der Tatsache, dass ich mit nur 120 cm Körperkürze einen Ford Transit steuern kann.

Neulich musste eine Kleinigkeit im Fußraum meines Busses gerichtet werden, und ich bat einen Assistenten, dies für mich zu erledigen. Um genau erklären zu können, worum es geht, kam ich mit zum Auto. Mein Assistent musste sich ganz schön verrenken und lag schnell bäuchlings quer vor Beifahrer- und Fahrersitz, um das Gewünschte auszuführen. Ich stand in meinem kleinsten Rollstuhl vor dem Auto und gab zu jedem Arbeitsschritt meine mehr oder minder hilfreichen Kommentare.

Nur noch die Beine des Assistenten schauten aus der Beifahrertür, als ein Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung auftauchte. Der Müllmann begann, Mülltonnen aus dem Müllraum unseres Hauses auf die Straße zu ziehen und vor meinem Auto aufzubauen. Offensichtlich sollte es den Kollegen auf dem Müllauto so leichter gemacht werden, die Tonnen zu leeren.

Nun sah der Stadtreiniger aber mich und die Beine meines Assistenten, die aus dem Auto ragten. Er fragte mich: „Kommt der Fahrer trotz der Tonnen aus der Parklücke raus?“ Ich freute mich über die fürsorgliche Frage und wunderte mich nicht weiter darüber, dass sie in der dritten Person an mich gerichtet war.  Das kannte ich zu genüge aus Situationen, in denen meine Gesprächspartner etwas verunsichert waren, weil sie vielleicht noch nicht allzu häufig Kontakt zu rollstuhlfahrenden und kleinen, aber trotzdem erwachsenen Mitmenschen aufgenommen hatten.

Ich antwortete also im gleichen Stil: „Ja, der Fahrer kommt so aus der Parklücke. Kein Problem.“ Der Müllmann sah mich etwas mahnend an und konterte mit Berliner Schnauze: „Ick hab‘ aber nich dich jefragt, sondern den Fahrer!“ Es gibt Tage, da komme ich bei solchen Ansagen ganz schön ins Schleudern. Nicht so an diesem Tage. Ich konnte souverän dagegen halten: „Ick bin doch der Fahrer, oder gloobste dit nich?“

Der Müllmann zuckte mit den Achseln und sagte: „Heutzutage iss allet möglisch!“ Dann trollte er sich zum nächsten Hausaufgang.

Seit dieser Begegnung grüßt mich der Stadtreiniger immer, wenn wir uns sehen. Und dann und wann ist auch ein wenig Zeit, über die schlechte Disziplin der lieben Mitmenschen beim Müllsortieren zu sprechen. Oder über den vielen Hundekot auf den Straßen oder über das Wetter. Was auch immer wir bereden, seit dieser ersten Begegnung siezen wir uns beide konsequent und sind auch nie wieder ins Berlinerische verfallen. Irgendwie komisch.

Das Hitzestöckchen

Juli 14, 2007

Ja, da habe ich also mein erstes Stöckchen zugeworfen bekommen. Es kam von meiner Cousine Vera am 11. Juno. Und ich alter, aber schlauer Hund habe es ein paar Tage liegen gelassen, um dann sofort zu erkennen: „Hitze? Die gibt’s doch gerade gar nicht!“ Und Fuchs, der ich bin, habe ich einfach gewartet, bis es wieder heiß wird im Lande. Jetzt ist es soweit, zumindest verspricht der Wetterbericht für Morgen sommerliche 32 Grad Celsius. Also Grund genug, das Hitzestöckchen endlich aufzunehmen. Und um meiner Cousine „Sorry“ zu sagen für das lange Nichtstun in puncto „Hitzestöckchen“.

… dein erster Gedanke beim aufstehen?
„Warum muss ich jetzt schon raus?“, und dann flüstert das Bett verführerisch: „Bleib hier!“, und ich gehorche. Deshalb stelle ich meinen Wecker inzwischen immer auf eine Zeit eine halbe Stunde vor dem eigentlichen Aufstehen.

…Ventilator?
Habe ich im Büro. Und er ist für heiße Tage unverzichtbar. Ansonsten könnten meine Kolleginnen und Kollegen an meiner Stirn kleine Geysire in die Höhe schießenden Wassers beobachten.

… Nachmittags schwimmen gehn?
Nöö, das mache ich bei heißen Tagen nicht. Ist mir zu aufwändig. Dafür steige ich dann lieber ein zweites Mal unter die Dusche. Die übrigens auch an wärmsten Tagen schön heiß sein muss. Dies ist das einzige, was ich mir bei meinen beiden Sommerreisen nach Japan vor vielen, vielen Jahren nachhaltig abgeschaut habe. Die Sprache eher nicht …

… Fenster auf oder zu?
Na, bei Hitze immer zu. Für den nötigen Zugwind habe ich ja mein Ventilatörchen.

So, dieses Stöckchen gebe ich an Jens Bertrams weiter.

Ich mach‘ selten Werbung, aber …

Juli 1, 2007

Ich wollte hier ja eigentlich nie Werbung machen. Aber gerade bin ich auf Musik gestoßen – für die muss ich mich einfach ins Zeug legen! Der Berliner Sänger P.R. Kantate hat ein neues Album raus gebracht, es heißt: „Dick in Jeschäft“. Und das ist jut! Richtig juut!

Das „P. R.“ im Namen von Kantate steht für „Platten Reiter“, ist also eine Eindeutschung von „DJ“ bzw. „Disc Jockey“. Und das Eindeutschen von Englischem bzw. das Vermischen scheinbar unvereinbarer Stile ist Programm: P.R. Kantate singt zumeist auf Deutsch, aber die Lieder kommen stets als Reggae oder Ragga daher, oft gemischt mit Rap-Einlagen. Das Ganze würzt er noch mit einer großzügigen Prise Berliner Dialekt und nennt es dann „Berlingua“. Ich nenne es einfach großartig!

Aufmerksam geworden bin ich auf P.R. Kantate schon 2003, als er mit seinem Song „Görli, Görli“ wochenlang in den Berliner Radiosendern zu hören war. In dem Song wird auf eingängige Weise neben dem titelgebenden Görlitzer Park so ungefähr jeder wichtige und unwichtige Platz Berlins und so manche Straße besungen. Deshalb lässt dieses Lied auch heute noch mein echtberliner Herz immer wieder höher schlagen.

Nach 2003 wurde es um P.R. Kantate jedoch wieder still. Sehr still. Im Radio hörte ich nichts mehr von ihm, und nur in einem Online-Musikgeschäft gab es hin und wieder ein kleines Lebenszeichen in Form eines neuen Liedchens, das zum Runterladen angeboten wurde. Und weil es so still um Herrn Kantate war, habe ich auch sein erstes Album verpasst, mit dem er im letzten Jahr beim Publikum vorstellig wurde.

Doch nun gibt es seit dem 22. Juni  ja „Dick in Jeschäft“. Mit diesem Album sollte P.R. Kantate tatsächlich wieder aus der Stille heraustreten können und vielleicht auch wirklich dick ins Geschäft kommen.

Herr Kantate hat auf seinem Album nämlich gleich einen ganzen Stapel guter Lieder veröffentlicht, und was für welche! Es sind alles Cover von Songs aus den 80ern. Seine intelligenten Arrangements und sein Wortwitz machen jedoch fast jeden Track zu einer Neuschöpfung und echten Entdeckung. Und so gibt es nicht nur ein Wiederhören, sondern vor allem ein Neuhören von alten NDW-Hits wie den „Blauen Augen“, „Eisbär“ oder „Da, da, da“. Wir machen Bekanntschaft mit „Karl dem Kiffer“, der nicht gefragt wird, und der uns verdammt stark an das Schicksal eines gleichnamigen Käfers erinnert. Schließlich erfahren wir im „König von Kreuzberg“, dass ein Königreich nicht gleich deutschland-groß sein muss, um darin gute Taten zu vollbringen.

Aber das Album bietet  noch mehr. So hören wir in einer Neuauflage des Puhdys-Klassikers „Geh zu ihr“, dass es Vorteile haben kann, wenn niemand weiß, dass Mann „Hosenscheißer“ heißt. Und wir lernen, dass P.R. Kantate auch englischsprachige Schmachtfetzen in fetzige Reggae-Nummern umschreiben kann. Selbst vor zweifelhaften Ergüssen wie einem „You’re My Heart, You’re My Soul“ von Modern Talking macht seine Cover-Wut nicht halt. Bei ihm heißt es dann „U me Heart“ und ist ebenfalls richtig nett.

Mein Fazit: auch wenn mich jetzt niemand direkt danach gefragt hat, rate ich unbedingt zur  Anschaffung des neuesten Werkes von P.R. Kantate. Denn wie heißt es so schön? „Dieses Album sollte in keiner gut sortierten Plattensammlung fehlen!“

Oder wie Herr Kantate vielleicht sagen würde: „Jehste in Laden und koofst dit schnuckelige Ding, bin ick wieda dick in Jeschäft.“

Schreibblockaden lösen

Juni 7, 2007

Ich bin blockiert, und zwar schreibblockiert. Und dies schon seit Wochen. Aber jetzt wird es Zeit, diese Blockaden zu lösen. Dies hat nichts mit dem gerade an der Ostsee tobenden G8-Gipfel zu tun. Obwohl auch hier einige Blockaden eine Rolle spielen. Aber ich will ja nicht durch ein möglichst häufiges Erwähnen des Stichwortes „G8“ meine Seitenaufrufe nach vorne katapultieren. Dies wäre ja fast schon ein Blog-Doping, und das würde dann wieder an die Doping-Geständnissse einiger Rad-Profis erinnern. Womit ein anderes leser-heischendes Stichwort gefallen wäre …

Nein, hier soll es nicht um das Aufbessern irgendwelcher Blog-Statistiken gehen, sondern darum, wie ich wieder in einen Schreibfluss gelangen kann. Deshalb stelle ich hier einfach mal knapp zwei Themen vor, die mir gerade einfallen.

Zum einen die immer noch geltende Maxime in unserer Gesellschaft: „Behinderte sind stets per Du anzusprechen“. Ich stand neulich im Supermarkt vor einem Kühlregal. Eine Ware, die mich interessierte, war Lichtjahre entfernt von dem Greif-Radius meiner Hände. Neben mir standen eine junge Frau und ihr männlicher Begleiter. Die Arme der beiden schienen OK und in der Lage zu sein, in ungeahnte Welten vorstoßen zu können. Ich fragte die beiden also: „Könnten Sie mir bitte den Artikel XY aus dem Regal reichen?“ Er antwortet: „Klar, gern! Aber was genau willst Du haben?“

Zum anderen muss ich auf meine Behauptung vom April 2006 eingehen, dass der Screenreader „VoiceOver“ des Mac-Betriebssystems noch nicht einmal mit seiner eierlegenden Wollmilchsaus „iTunes“ reden mag. Zur Erinnerung: ein Screenreader ist ein Programm, dass blinden Menschen die Inhalte auf dem Bildschirm eines Computers vorliest. Nun, inzwischen redet „VoiceOver“ auf einem Mac auch mit „iTunes“.

So, das war es für heute. Die Schreibblockaden haben, so glaube ich, wieder die Oberhand erlangt. Aber mal sehen, für wie lange …

Tischlein deck‘ dich – auf der Autobahn?

April 3, 2007

Es war Sonntag, ich war eingeladen zu einem Brunch und ich fuhr ohne Frühstück los. Dass ich nach dem Aufstehen nichts gegessen hatte, bereute ich bereits, als ich 100 m von meiner Wohnung entfernt auf die Hauptstraße abbog. Ich hatte Hunger, großen Hunger.

Dabei hatte ich bewusst auf das Frühstück verzichtet. Ich wollte nicht allzu schnell schlapp machen bei dem zu erwartenden leckeren Buffet. Mit leerem Magen und gutem Hunger, so hatte ich mir gedacht, müsste dieser Vorsatz umsetzbar sein.

Aber nun war aus dem guten Hunger schon ein großer Hunger geworden und drei Straßen weiter endlich einer, der auf den Namen „morgendliche Übelkeit“ hören wollte. Ich atmete bewusst tief ein und wieder aus, was die Sache auch nicht besser machte, und fuhr weiter.

Auf der Stadtautobahn war in einer Kurve die rechte Spur gesperrt. Ich bremste etwas ab. Und wie aus einer anderen Welt tauchte auf der gesperrten Spur plötzlich eine weiß gedeckte Tafel auf – mitten auf dem Asphalt. Ich bremste stärker. Auf dem weißen, leicht wehenden Tischtuch fanden sich verschiedenste Speisen und Getränke, sehr hübsch angerichtet, soweit ich das im Vorbeihuschen mit meinem Auto erfassen konnte. Und um den langen Tisch herum saßen an die zwanzig Menschen, die genüsslich aßen und sich zu prosteten.

Meine Augen wollten aus dem Staunen gar nicht mehr heraus kommen. Und mir schoss verschwommen die Frage durch den Kopf, ob mir der Hunger da gerade einen Streich spielte. Dann aber gab die Kurve weitere Details frei. Ich sah ein rotes Cabriolet, ohne Räder, aufgebockt und effektvoll angeleuchtet von mehreren Scheinwerfern. Daneben standen zwei große Kameras, deren Objektive offensichtlich auf das Auto ausgerichtet waren.

Auf der Stadtautobahn wurde an einem ruhigen Sonntag Vormittag ein Film gedreht. Das war alles! Da dies jedoch zu einer Zeit geschah, als Berlin noch Lichtspieljahre davon entfernt war, deutsche Filmdreh-Haupstadt zu sein, war ich es nicht gewöhnt, wie ausgefallen mitunter das Catering für eine Film-Crew ausschauen konnte. Damals hatte mich das „Tischlein deck‘ dich!“ auf der Autobahn wirklich tief beeindruckt. So tief, dass mein Hunger dann auf einmal wie weggeblasen war.